Das Porträt: Mouna Ben Malek-Papagiannouli

Portraitfoto

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Frau Ben Malek-Papagionnouli, Sie haben einen sehr interessanten Namen.

Ben Malek-Papagiannouli

Ich bin in Tunesien geboren. Ben Malek ist mein Mädchenname. Hier in Deutschland habe ich meinen Mann kennen gelernt. Er ist Grieche. Daher der Name Papagiannouli.

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Wann sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ben Malek-Papagiannouli

Ich bin im Oktober 1998 nach Deutschland gekommen. In Tunesien gab es für die besten Abiturienten die Möglichkeit, ein Stipendium zu bekommen, um in einem europäischen Land zu studieren. Ich habe mich für den Studiengang Theologie entschieden. Dieses Studium wurde in Deutschland angeboten.

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Wo haben Sie studiert?

Ben Malek-Papagiannouli

Zunächst kam ich nach Heidelberg. Dort besuchte ich gemeinsam mit dreizehn anderen Stipendiaten aus Tunesien einen Deutschkurs. Dieser Kurs sowie das gesamte Studium wurde vom DAAD (Deutschen akademischen Austauschdienst) betreut. Wir konnten zwei Hauptfächer wählen. Ich entschied mich für evangelische und katholische Theologie. Normalerweise ist diese Kombination nicht zulässig, aber im Rahmen eines für mich als tunesische Studentin konzipierten Studienprogramms wurde es mir ermöglicht, diese Kombination zu studieren. So konnte ich einen besseren Überblick über das Christentum bekommen. Mein Theologiestudium absolvierte ich in Berlin.

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Wie kommt eine junge Tunesierin dazu, an einer deutschen Universität Theologie zu studieren?

Ben Malek-Papagiannouli

Ich war schon immer begeistert vom kulturellen Aspekt des Christentums in Europa. Außerdem hatte und habe ich großes Interesse an Geisteswissenschaften. Meine Hauptfächer in der gymnasialen Oberstufe waren Philosophie und Literatur.
Aufgrund einer sehr weltoffenen Erziehung wollte ich gerne einen Beitrag zum Dialog zwischen den Religionen leisten, besonders zwischen dem Christentum und dem Islam.

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Es gehört sehr viel Mut dazu, in einem Land zu studieren, dessen Sprache, Religion und Kultur man kaum kennt.

Ben Malek-Papagiannouli

Ich war in erster Linie unglaublich gespannt und neugierig, was auf mich zukommen würde. Meine einzige Angst war, dass ich in Deutschland scheitern könnte. In Deutschland selbst habe ich sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht. Ich habe erfahren, dass einen Menschen oft wegen der Religion und der Herkunft in Frage stellen.

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Könnten Sie sagen, was »typisch arabisch« oder »typisch deutsch« ist?

Ben Malek-Papagiannouli

Das ist schwierig. Tendenziell würde ich sagen, »typisch arabisch« ist die Gastfreundschaft und der große Respekt vor älteren Menschen, »typisch deutsch« ist der Respekt gegenüber Freiheiten, die Zuverlässigkeit und die Pünktlichkeit.

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Wie sind Sie zur vhs gekommen?

Ben Malek-Papagiannouli

Vor meiner Hochzeit mussten mein Mann und ich einige Unterlagen übersetzen lassen. Eine der Dolmetscherinnen war Griechin und unterrichtete auch an einer Volkshochschule. Als ich ihr erzählte, welche Sprachen ich spreche, meinte sie, ich solle mich doch an eine Volkshochschule wenden und fragen, ob Bedarf an Arabisch oder Französisch besteht.

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Welche Sprachen sprechen Sie?

Ben Malek-Papagiannouli

Arabisch und Französisch als Muttersprache, Deutsch, Englisch, Neugriechisch. Außerdem habe ich im Zusammenhang mit der Übersetzung biblischer Texte etwas Hebräisch und Aramäisch gelernt.

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Welche Kurse werden Sie an der Volkshochschule hier in Weinheim unterrichten?

Ben Malek-Papagiannouli

Arabisch und Französisch.

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Warum möchten Sie Sprachen unterrichten?

Ben Malek-Papagiannouli

Ich selbst lerne sehr gerne Sprachen und habe in Tunesien auch Einzelunterricht in Französisch und Arabisch gegeben. Durch meine Auslandserfahrung weiß ich, dass das Überleben in einem fremden Land ohne die Landessprache zu sprechen schwierig ist. Eine Sprache zu können bedeutet immer auch einen Schutz. Man kann seine Meinung und seine Wünsche äußern.
Ich betrachte Sprachen als Schlüssel, die es uns ermöglichen, geschlossene Türen zu öffnen, als Brücke, die es den Menschen ermöglicht, Zurückhaltung oder gar Vorurteile zu überwinden. Dank Sprachen können Horizonte erweitert werden und Barrieren, die Menschen trennen, aufgehoben werden.

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Herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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Impressum

Volkshochschule, Luisenstraße 1, 69469 Weinheim
Telefon: +49 (0) 6201-9963-0
Telefax: +49 (0) 6201-9963-63

eMail: info@vhs-bb.de
Internet: www.vhs-bb.de

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