Das Porträt: Heike Kohl

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Als gelernte Bauzeichnerin setzen Sie Entwurfsskizzen um und schaffen damit die Grundlage für eine einwandfreie Bauausführung. Wie sind Sie als Bauzeichnerin auf Line Dance gestoßen?

Heike Kohl

Auf den ersten Blick scheint das eine mit dem anderen nichts zu tun zu haben, aber dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, mal abgesehen davon, dass ich schon immer gerne getanzt habe.

Ich bin ein absoluter „Kopfmensch”, der nie ganz abschalten kann. Beim Line Dance lernen wir Tänzer zu jedem Musiktitel einen eigenen Tanz, das heißt eine andere Choreographie. Wenn jetzt z.B. an einem Abend bei einer Line-Dance-Veranstaltung ca. 80 verschiedene Musikstücke gespielt werden (diese Zahl ist realistisch), dann tanzen wir dazu 80 unterschiedliche Tänze. Das erfordert zum einen eine ganze Menge an Konzentration, und zum anderen, dass man immer wieder neue Tänze lernen muss, um aktuell zu sein.

Und das ist die Parallele zu meinem Beruf: mit der gleichen Akribie, die für das Erstellen von Zeichnungen nötig ist und dem Erarbeiten von immer wieder Neuem für die Zukunft, gehe ich auch an das Erlernen von immer wieder neuen, aktuellen Choreographien heran.

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Es gibt so viele Tanzstile und Tanzrichtungen. Was ist für Sie das Besondere an Line Dance?

Heike Kohl

Es ist sowohl die bereits oben erwähnte Herausforderung stets Neues zu lernen, als auch die Unabhängigkeit von einem direkten Tanzpartner. Viele Leute kennen das: sie würden sehr gerne tanzen, aber der/die Partner/in hat keine oder wenig Lust dazu.

Beim Line Dance tanzt man in Reihen (den Lines) in manchmal sehr großen Gruppen neben- und hintereinander. Alle tanzen zur gleichen Musik den gleichen Tanz mit denselben Figuren. Man benötigt keinen „eigenen” Tanzpartner, sondern kann jederzeit einfach auf die Tanzfläche gehen, sich zu der Gruppe dazustellen und mittanzen. Und das nicht nur in der heimischen Tanzgruppe, sondern auf jedem Countryfest oder jeder öffentlichen Line-Dance-Party.

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Sie haben eine Ausbildung zur Trainerin im C-Breitensport absolviert. Warum?

Heike Kohl

Angefangen hat es wie bei den meisten Linedancern: Ich habe auf einer Veranstaltung Line Dance gesehen, war davon fasziniert und bin nach einer Weile in einen Verein eingetreten, um das zu lernen.

Doch schon bald hat mir das normale Training nicht ausgereicht, ich wollte mehr. Also haben sich ein paar Gleichgesinnte aus unserer Gruppe außerhalb unseres üblichen Trainings getroffen, um gemeinsam zu üben und einfach nur zum Spaß zu tanzen. Wir besuchten auch gerne öffentliche Line-Dance-Veranstaltungen und so erwachte in uns der Wunsch, immer mehr neue und schwierigere Tänze zu lernen, um mit den anderen Tänzern mithalten zu können. Und weil ich mir die Tänze selbst beibringen und auch ganz gut den Anderen zeigen konnte, habe ich so nach und nach die Leitung unserer „Übungsstunden” übernommen.

Zum richtigen Tanzen gehört aber mehr als nur neue Choreographien zu lernen. Ich sagte mir, wenn ich schon unterrichte, möchte ich die Schrittfolgen nicht irgendwie, sondern korrekt erklären können. Ich wollte nicht auf die Fragen eines Lernenden wie z.B. „Wo ist jetzt die Hauptbelastung auf meinem Fuß, wo ist mein Schwerpunkt, wie ist die Schulterführung?” antworten müssen: „Das ist doch egal! Frag nicht soviel und mach es doch einfach irgendwie.” Wenn man Leute unterrichtet, hat man eine gewisse Verantwortung nicht zuletzt auch unter dem gesundheitlichen Aspekt. Das beginnt mit einem sinnvollen Aufwärmen am Anfang der Trainingsstunde, geht über eine korrekte Körperhaltung bis zum richtigen Bewegungsablauf, um durch Aufbau der Muskeln die Gelenke zu schonen und diese nicht durch Fehlhaltungen übermäßig zu belasten. So etwas lernt man nur in einer qualifizierten Ausbildung.

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Line Dance kommt ja ursprünglich aus den USA. Sind Sie auch schon einmal dort gewesen?

Heike Kohl

Leider war ich noch nie in den USA, hoffe aber, dass sich dieser Traum einmal erfüllen wird.

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Kommen amerikanische Line Dancer eventuell auch nach Europa, bzw. nach Deutschland?

Heike Kohl

Ja, natürlich. Es waren amerikanische Soldaten, die vor ca. 20 Jahren den Line Dance zu uns nach Deutschland brachten. Da sind einige Freundschaften erhalten geblieben. Außerdem sind oft auf größeren Countryfesten in Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern amerikanische Choreographen, Musiker, Tänzer und andere Gäste anwesend.

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Gibt es einen internationalen Austausch unter den Line Dancern?

Heike Kohl

Line Dance ist international. Unsere Tänze stammen von Choreographen aus allen möglichen Nationen. So ist z.B. zurzeit ein Tanz aus Süd-Afrika sehr beliebt.
Bei Meisterschaften – also dem turniersportlichen Tanzen – im Country- und Westerntanz werden häufig Wertungsrichter, Teacher und Choreographen nicht nur aus Amerika, sondern auch  z.B. aus den Niederlanden oder England eingeladen.
Und natürlich gibt es die kleinen, privaten, grenzüberschreitenden Freundschaften zwischen einzelnen Line-Dance-Clubs.

Vhs: Wie sind Sie auf unsere Volkshochschule aufmerksam geworden?

Heike Kohl

Volkshochschulen haben allgemein einen guten Ruf. Sie bieten kompetenten Unterricht für Jedermann in einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Die Vhs in Weinheim deckt mit ihrem umfangreichen Angebot nicht nur den Bedarf der Weinheimer Bürger, sondern auch einen erheblichen Teil der Bergstraße und des vorderen Odenwaldes ab. Und Line Dance gab es seit einigen Jahren in Weinheim nicht mehr.

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