Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit

Ab September bieten wir eine Reihe von Vorträgen an, die sich mit dem Thema Demokratie auseinandersetzen.

Demokratie gehört für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Wir wählen unsere politischen Vertreterinnen und Vertreter, diskutieren unterschiedliche Meinungen und können uns auf festgeschriebene Grundrechte berufen. Doch Demokratie ist weder vom Himmel gefallen noch für alle Zeiten gesichert. Sie musste über Jahrhunderte erkämpft werden – und sie muss auch heute immer wieder erklärt, verteidigt und mit Leben gefüllt werden.

Mit einer neuen Demokratie-Reihe lädt die Volkshochschule Badische Bergstraße ab September dazu ein, sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit unserer politischen Ordnung auseinanderzusetzen. Historische Entwicklungen und Weinheimer Demokratiegeschichte stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Populismus, politische Sprache, gesellschaftliche Vielfalt und die Rolle der Frauen bei der Entstehung des Grundgesetzes.

Die Veranstaltungen wollen Wissen vermitteln, Zusammenhänge sichtbar machen und zur Diskussion anregen. Denn eine lebendige Demokratie braucht Menschen, die sich informieren, miteinander sprechen und auch kontroverse Positionen aushalten.

Von Athen über Nordamerika bis nach Weinheim

Den Auftakt macht der ehemalige Weinheimer Oberbürgermeister Heiner Bernhard am Mittwoch, 30. September 2026. Unter dem Titel „Wege zur Demokratie – in Weinheim und der Welt“ zeichnet er die lange und keineswegs geradlinige Entwicklung demokratischer Ideen nach.

Sein historischer Bogen reicht von den verheißungsvollen Anfängen im antiken Athen über das Ende des Absolutismus bis zur Aufklärung als Fundament der Moderne. Er beleuchtet die Demokratisierung in Nordamerika und Frankreich und zeigt, welchen Einfluss diese Entwicklungen auf Deutschland im 19. Jahrhundert hatten.

Dabei richtet Heiner Bernhard den Blick auch auf Weinheim. Regionale Besonderheiten und demokratische Sonderwege vor der Einführung der Gemeindeordnung machen deutlich, dass die Geschichte der Demokratie nicht nur in den großen Hauptstädten geschrieben wurde. Auch vor Ort mussten politische Mitbestimmung, freie Wahlen und Bürgerrechte erst errungen werden.

Wege zur Demokratie – in Weinheim und der Welt
Heiner Bernhard, Oberbürgermeister a. D.
Mittwoch, 30. September 2026, 18.30 Uhr
Saal der vhs Weinheim

Auf den Spuren früher Demokraten

Dass der Kampf um demokratische Rechte auch im Stadtbild seine Spuren hinterlassen hat, zeigt Dr. Alexander Boguslawski bei einer besonderen Führung durch die Weinheimer Altstadt.

Seit mehr als 200 Jahren setzen sich Menschen in Deutschland für liberale Grundrechte, freie Wahlen und demokratische Regeln ein. Auch in Weinheim gab es bereits im 19. Jahrhundert Persönlichkeiten, die für politische Beteiligung und Freiheit eintraten.

Der Rundgang führt zu Orten, die an diese Menschen und Ereignisse erinnern. Damit wird Geschichte dort erfahrbar, wo sie stattgefunden hat. Die Stadtführung schlägt zugleich eine Brücke zur Gegenwart: Gerade in einer Zeit, in der autokratische Positionen auch in Europa wieder Zulauf erhalten, lohnt es sich, an die lange und oftmals mühsame Entwicklung der Demokratie zu erinnern.

„Der Kampf um die Demokratie“ – Stadtführung zur politischen Geschichte Weinheims
Dr. Alexander Boguslawski
Mittwoch, 14. Oktober 2026, 15 Uhr
Treffpunkt in der Weinheimer Innenstadt

Wenn Sprache die Demokratie gefährdet

Wie lassen sich populistische und demokratiegefährdende Positionen erkennen? Welche Geisteshaltung verbirgt sich hinter bestimmten politischen Formulierungen? Und welche Rolle spielt Sprache bei der Verschiebung gesellschaftlicher Grenzen?

Diesen Fragen widmet sich Prof. Dr. Heidrun Deborah Kämper am Mittwoch, 28. Oktober 2026. Europaweit und auch in Deutschland ist ein Erstarken des Rechtspopulismus zu beobachten. Vor allem über soziale Medien verbreiten sich politische Botschaften schnell und erreichen ein großes Publikum.

Eine genaue Betrachtung des parteipolitischen Sprachgebrauchs kann dabei helfen, die dahinterstehenden Menschenbilder und politischen Absichten zu erkennen. Die Sprachwissenschaftlerin zieht außerdem Vergleiche zwischen den Gefährdungen der Demokratie in der Weimarer Republik und der heutigen Situation. Ihr Vortrag versteht sich als sprachliche Aufklärung und als Einladung, die eigene Meinungsbildung zu schärfen.

Gefährdet Populismus unsere Demokratie?
Was der parteipolitische Sprachgebrauch dazu sagen kann
Prof. Dr. Heidrun Deborah Kämper
Mittwoch, 28. Oktober 2026, 18.30 Uhr
Saal der vhs Weinheim

Vier Frauen und ein entscheidender Satz

„Männer und Frauen sind gleich berechtigt.“ Dieser heute selbstverständlich wirkende Satz in Artikel 3 des Grundgesetzes musste politisch erkämpft werden. Maßgeblich daran beteiligt waren Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel – die vier weiblichen Mitglieder des Parlamentarischen Rates.

Elisabeth Kramer stellt die sogenannten Mütter des Grundgesetzes am Mittwoch, 13. Januar 2027, in einem Vortrag vor. Die Veranstaltung eröffnet zugleich eine Ausstellung, die auf 17 Plakaten die Lebenswege und das politische Engagement der vier Frauen nachzeichnet.

Der Abend erinnert nicht nur an historische Vorbilder wie die Suffragetten und die Mütter des Grundgesetzes. Er macht auch deutlich, dass die rechtliche Gleichstellung zwar eine entscheidende Grundlage geschaffen hat, der Weg zu tatsächlicher Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen aber noch nicht abgeschlossen ist.

Frauen in der Demokratie
Vortrag zur Ausstellungseröffnung „Mütter des Grundgesetzes“
Elisabeth Kramer
Mittwoch, 13. Januar 2027, 18.30 Uhr
Saal der vhs Weinheim

Demokratie braucht Vielfalt

Den Abschluss der Reihe bildet Dr. Ullrich M. Bausch am Mittwoch, 10. Februar 2027. Sein Vortrag widmet sich der Vielfalt als Grundlage einer funktionierenden Demokratie.

Nicht die Einheitsmeinung, sondern der freie Diskurs, das Ringen um das überzeugendste Argument und die Auseinandersetzung mit Widerspruch bilden den Kern unserer politischen Ordnung. Unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Lebensgeschichten sind deshalb keine Belastung für die Demokratie, sondern eine ihrer wesentlichen Voraussetzungen.

Auch wirtschaftlich ist Deutschland auf Vielfalt und Einwanderung angewiesen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der deutsche Sprachraum immer wieder von Ein- und Auswanderung geprägt wurde und davon profitierte. Daraus ergibt sich für Dr. Ullrich M. Bausch eine klare Aufgabe: Integration muss aktiv gefördert werden.

Vielfalt als Grundlage der Demokratie
Dr. Ullrich M. Bausch
Mittwoch, 10. Februar 2027, 18.30 Uhr
Saal der vhs Weinheim

Demokratie lebt vom Mitmachen

Die neue Reihe zeigt: Demokratie hat viele Facetten. Sie ist das Ergebnis historischer Kämpfe, sie hängt von Sprache und politischer Kultur ab, sie braucht Gleichberechtigung und gesellschaftliche Vielfalt. Vor allem aber braucht sie Menschen, die bereit sind, sich mit ihr zu beschäftigen.

Die Veranstaltungen der vhs bieten dafür Raum: für Information, für unterschiedliche Perspektiven und für das gemeinsame Gespräch. Denn Demokratie bleibt nur dann lebendig, wenn sie nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet wird.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und zur Anmeldung gibt es hier!