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VHS beginnt das zweite BEF-Alpha Bildungsjahr

Applaus für die drei Teilnehmerinnen, die den A2 Deutschkurs mit Bravour bestanden haben. Foto: vhs

Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein. Sie handelt von der 25-jährigen Frau aus Somalia, die 2018 nach Deutschland flüchten musste. Sie hatte ein kleines Baby bei sich, sprach weder Deutsch noch Englisch. Zuhause hatte sie nur vier Jahre die Schule besuchen können, Computer kannte sie nicht. Ihr Leben war geplant als Mutter und Ehefrau auf dem afrikanischen Land. Dann kam der Bürgerkrieg, und alles kam anders. Die junge Frau kam nach Deutschland. Zwar in Sicherheit, aber im freien Fall ins Bodenlose. Alle Orientierung: weg. Perspektive: keine. Das alles war nicht vergessen, aber nicht mehr entscheidend, als sie jetzt im Schulungsraum der Lern-Praxis-Werkstatt lächelnd nach vorne schritt, ihr jetzt fünf Jahre altes Kind an der einen Hand. Das Geschwisterchen, das vor zwei Jahren in Deutschland auf die Welt kam, an der anderen. Aus der Hand von VHS-Chefin Dr. Cristina Ricca und Jürgen Ripplinger, dem Leiter von Job Central, nahm sie ihr Zertifikat entgegen. Zu den ersten Gratulanten gehörte ein Gast aus Stuttgart: Knut Becker von der Fachstelle für Grundbildung und Alphabetisierung Baden-Württemberg. Becker schätzt und braucht solche Erfolgsgeschichten. Denn seine Stelle ist ganz wesentlich für die Bewilligung von Förderprogrammen für erwachsene Flüchtlinge zuständig – und eben dafür, die Politik von der Sinnhaftigkeit des Programmes zu überzeugen. 

Kind und Ausbildung ist kein Problem

Knut Becker braucht Menschen wie die junge Frau aus Somalia – ebenso wie die Gesellschaft und die Wirtschaft diese braucht. Die junge Mutter hat das erste so genannte BEF-Alpha-Programm absolviert, das in Weinheim von der Volkshochschule und der Lern-Praxis-Werkstatt (LPW) bei Job Central angeboten worden ist. BEF steht für „Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge“. Es war naheliegend, dass die beiden Einrichtungen ihre Kompetenzen zusammenführen zum bestmöglichen Erfolg der Förderung, wie jetzt auch Knut Becker bescheinigte. Die VHS mit ihrem großen Erfahrungsschatz bei der Sprachförderung und die LPW bei der Vorbereitung auf ein Berufsleben. Die Symbiose geht bis ins Detail. Irgendwann stellte sich heraus, dass es junge Frauen mit Kindern sein sollten, denen man sich widmen musste, weil sie oft von jeder persönlichen und beruflichen Perspektive abgekoppelt sind. Da kam die Erfahrung der VHS bei der Qualifizierung von Tagesmüttern in Frage. Die Somalierin blühte auf. Dass sie während des Lernens ihre Kinder in eine Betreuung geben konnte, war zunächst sehr ungewohnt. In ihrer alten Heimat gibt es so etwas nicht. Sie lernte es zuzulassen. Sie lernte nicht nur die Sprache, auch Computerkenntnisse und die Abläufe im Arbeitsalltag. Sie wurde in ein Praktikum in eine Arztpraxis vermittelt. Ihre Art und ihr Engagement kamen dort gut an; bald wird sie ihre Lehre zur Medizinischen Fachangestellten beginnen können. 

BEF Alpha ist nah am Menschen

Petra Schaaf-Böttcher, Leiterin des Fachbereichs Deutsch sowie Integration und Beruf der VHS und Ante Rasic, Leiter der Lern-Praxis-Werkstatt, verwiesen darauf, dass es nicht immer so glatt laufen kann. „Die Frauen müssen in diesem einen Jahr sehr viel lernen und verstehen, was ihnen in ihrer alten Heimat versagt wurde – auch ihre eigenen Rechte“. Aber auch scheinbar banale Dinge des Lebens. Die eigenen Kinder einer Betreuungsperson zu überlassen, das ist in anderen Kulturkreisen schlichtweg unvorstellbar. Aber diese Freiräume sind wichtig, um am Sprachunterricht und der Berufsorientierung teilzunehmen. „Viele Aufgaben und Probleme ergaben sich im Laufe des Prozesses, die gelöst werden mussten“, beschrieb Ripplinger dem Besuch aus Stuttgart. Allerdings sei man auch beim Fördergeber auf offene Ohren und Experimentierfreudigkeit gestoßen. Wie Knut Becker erläuterte, haben sich seit 2016 in Baden-Württemberg rund 2000 Menschen an einem BEF Alpha-Projekt beteiligt. Weinheim ist einer von 38 Standorten im Land. Die beiden Dozentinnen Wafa Alsatrawi und Charlotte Pfrengle betreuen die Teilnehmerinnen vor Ort. Knut Becker konnte sich vergewissern, dass die Idee von BEF Alpha in Weinheim sehr kompetent und nah am Menschen stattfindet. Der zweite Kurs für wiederum 15 Frauen und zehn zu betreuenden Kindern ist angelaufen. Die beiden Dozentinnen berichteten von einer Entwicklung in der Vorbereitung auf den neuen Kurs. „Einige Frauen haben sich bereits erkundigt, in welchen Berufen in Deutschland Arbeitskräfte gebraucht werden und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Die Frauen sind zielstrebiger, auch selbstbewusster“, merkten die beiden erfahrenen Lehrkräfte an. Die junge Frau aus Somalia ist ihnen ein Vorbild. (rk)

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