Das Porträt: Petra Weiß

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Guten Tag, Frau Weiß. Schön, dass Sie Gast in unserem Newsletter sind. Erzählen Sie bitte unseren Lesern: Wann kam der Kontakt zur Volkshochschule zu Stande?

Petra Weiß

Den ersten persönlichen Kontakt hatte ich 2002/2003 als Teilnehmerin eines vhs-Kurses, der heute immer noch in Ihrem Programm angeboten wird: Autogenes Training, bei Herrn Rothaupt. Dort habe ich zum ersten Mal erlebt, dass scheinbar unwillkürliche Körpervorgänge sich ganz direkt willentlich beeinflussen lassen. Diese tiefgreifende Erkenntnis der praktisch erfahrbaren Wechselwirkung zwischen Körper und Geist wurde mir später äußerst hilfreich – sowohl für meine eigene Genesung als auch in meiner therapeutischen Arbeit.

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Sie sind Heilpraktikerin.

Petra Weiß

Ja, seit 2006 mit eigener Praxis, und seit Herbst 2009 in meiner Geburtsstadt Weinheim. Ich erinnere mich noch lebhaft an meine Prüfung beim Gesundheitsamt. Es war sowohl für mich als auch für den damals neuen Amtsarzt die erste Prüfung dieser Art. Und ich glaube, wir waren beide sehr erleichtert, dass sie so gut gelaufen ist.

vhs

Prüfungsangst ist bestimmt auch ein wichtiges Thema im Alltag.

Petra Weiß

Angst im Allgemeinen ist ein Thema unserer Zeit. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist groß. Das ergibt sich zum Teil aus den individuellen Freiheiten des Einzelnen in unserer Gesellschaft. Wir dürfen heute relativ unbelastet von familiären und gesellschaftlichen Zwängen unseren Lebensweg frei gestalten – und wir müssen es auch. Angst hat daher etwas mit dem Luft-Element zu tun, wenn man sie in Verbindung mit der Elementenlehre sehen will.

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Elementenlehre? Ist das nicht Esoterik?

Petra Weiß

In der abendländischen Tradition gab es schon im alten Griechenland die Vier-Säfte-Lehre. Elemente kennen wir aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, und im Auyurveda arbeitet man mit den Doshas. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ganzheitliche Medizin hat mit dem, was man landläufig mit dem Begriff Esoterik verbindet, nichts zu tun. Es geht darum, Parallelitäten und Zusammenhänge zu erkennen, auch wenn sich Ursache und Wirkung nicht immer spontan erschließen. Die moderne Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie belegt endlich die Verbindung zwischen der Seele, den Nerven und dem Immunsystem. Was der Volksmund längst weiß, denn wir sagen beispielsweise „Das Problem liegt mir schwer im Magen.” oder „Das geht mir an die Nieren.”

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Arbeiten Sie auch mit Schulmedizinern zusammen?

Petra Weiß

Der Schulmedizin verdanke ich mein Leben. Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Ärzten. Auf Gebieten wie der Notfallmedizin, der Chirurgie und in vielen diagnostischen Bereichen sind schulmedizinische Maßnahmen unersetzlich. Wenn Patienten mit Beschwerden unklarer Ursache kommen, lasse ich sie generell erst mal beim Arzt abklären. Naturheilkundliche Verfahren können dann eine gute Ergänzung oder auch eine Alternative zur konventionellen Therapie sein. Mündige Patienten lassen sich kompetent beraten und wählen dann frei, welche Wege sie gehen wollen. Das darf aus meiner Sicht keine Entweder-Oder-Entscheidung sein.

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Außerhalb der Praxis halten Sie auch Workshops und Vorträge an der Volkshochschule. Wie kamen Sie zum Unterrichten?

Petra Weiß

In Heidelberg hatte ich bereits an der Akademie für Ganzheitsmedizin und auch an der Universität im Rahmen der Vorlesungsreihe Ganzheitsmedizin (Ganimed e. V.) doziert. Ich hielt Vorträge und Kurse für die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V., deren Zeitschrift ich immer noch redaktionell betreue. Über die Volkshochschule erreiche ich noch mehr Menschen. Es ist mir ein Bedürfnis und eine Freude, das Gute, was ich erfahren durfte, in die Welt zu tragen.

vhs

Was ist Ihnen bei einem Kurs wichtig?

Petra Weiß

Dass die Leute sich wohlfühlen. Dass die Teilnehmenden lernen, es sich gut gehen zu lassen und dafür selbst zu sorgen.

vhs

Das klingt wiederum, wenn man den advocatus diaboli spielen wollte, nach Wellness. Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es aber darum, in die Selbstverantwortung zu finden.

Petra Weiß

Ja, und gut anfühlen darf sie sich auch. Außerdem versuche ich meinen Kursteilnehmern die Last zu nehmen, dass sie alles „richtig” machen müssen. Meinem Weltbild nach gibt es das absolute „Richtig” und „Falsch” gar nicht.

vhs

Überhaupt nicht?

Petra Weiß

Na ja, wir leben in einer „Rotstiftkultur”. Viele von uns laufen mit einem kleinen Richter im Rucksack umher und machen sich selbst und anderen damit oft das Leben schwer. Natürlich ist eins plus eins gleich zwei und nicht fünf. Früher habe ich in der IT-Branche gearbeitet. Wenn eine Zeile Fehler enthält, läuft das ganze Programm nicht. Aber der Mensch ist kein Computer. Da gibt es kein Wenn-dann-Sonst und keinen Standard. In jedem Menschen existiert eine ordnende Instanz, in der anthroposophischen Medizin sprechen wir von der „Ich-Organisation”, welche alle Vorgänge bis in die biochemischen Prozesse hinein steuert. Diese ist höchst individuell und will auch so angesprochen werden.
Nehmen wir beispielsweise die Ernährung. Kaum ein Gebiet ist mit so vielen gegensätzlichen Aussagen übersät. Was da schon alles als richtig oder falsch eingestuft wurde… Die Wahrheit ist: Es gibt keine für jeden gültige richtige Ernährung. Was für den einen passt, kann für den anderen sogar schädlich sein. Jeder muss für sich herausfinden, mit welcher Ernährungsweise er am besten fährt. Manchmal hilft die „sensorische Intelligenz”, die über den Geschmack geht. Aus einer strikten Ernährungslehre heraus einem Patienten den Genuss zu verbieten, halte ich für bedenklich. Sinn macht es hingegen, gezielt zu schauen, was diesem Menschen fehlt und dann sein fehlendes Element z. B. über die Nahrung zu stärken.

vhs

Ist Ernährungslehre auch Ihr Schwerpunkt?

Petra Weiß

Nein, aus meiner Sicht ist die Ernährung nur ein Weg zur Elemente-Balance. Es gibt viele weitere, z. B. Aroma- oder Farbtherapie, und natürlich auch Meridian-Arbeit wie im Jin Shin Jyutsu etc. Mich interessieren insbesondere Haltungsfragen wie eine liebevolle Toleranz sich selbst gegenüber, um so den Menschen in Harmonie zu bringen. Das ist eine Grundlage für Genesung und auch ein wesentlicher Ansatz zur Vorbeugung von Krankheiten.

vhs

Was würden Sie jedem empfehlen?

Petra Weiß

Halten Sie sich warm und schlafen Sie ausreichend. Die passende Temperatur und Schlafdauer sind wiederum individuell unterschiedlich.

vhs

Ach ja der Schlaf. Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen … Wir sollten überlegen, einen Vortrag unter dem Titel „Endlich gut schlafen” anzubieten.

Petra Weiß

Dann machen wir das.

vhs

Frau Weiß, ich bedanke mich für das Gespräch.

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